Film-Review: “Mahler auf der Couch”

13Sep10

Regisseur/in: Percy & Felix Adlon
Deutschland/Österreich, 2010

„Dass es geschah, ist verbürgt. Wie es geschehen ist, haben wir erfunden.“ Mit diesen Worten von den Regisseuren Felix und Percy Adlon (Vater & Sohn) startet das Österreichische Drama „Mahler auf der Couch“.

Die im Filmtitel genannte Couch ist jene von Sigmund Freud (überzeugend: Karl Markovics) in seinem Hotelzimer in der holländischen Stadt Leiden. Darauf liegt ein Komponist, der keine Note mehr zu Papier bringt. Grund ist dessen junge Frau Alma Mahler (zwischen Zerrissenheit und Liebestrunkenheit immer glaubwürdig: Barbara Romaner), die ihn mit dem weitaus jüngeren und besser aussehenden Walter Gropius (Friedrich Mücke) betrogen hat. Aus dem Blickwinkel des unschuldigen Opfers erzählt Mahler von der bis dato funktionierenden Ehe, der Musik als Verbindung zweier Menschen und seiner kaltherzigen Frau, die ihn einfach so betrügt. Auf die Frage nach Schuldgefühlen, wird Gustav Mahler (Johannes Silberschneider) rasend: Wie kommt Freud auf solch abstruse Gedanken? Wie wagt er es, so zu denken? Im Laufe eines langen Gesprächs zwischen Freud und Mahler, welches immer wieder in intellektuelles „Kräftemessen“ der Beiden mündet und meist zu Gunsten Freuds endet, lässt sich Mahler immer mehr auf Freud ein und beginnt langsam, das Erlebte unverzerrt wiederzugeben. Bald wird klar, dass er keineswegs nur Opfer einer betrügerischen Frau wurde und dass das Genie Gustav Mahler auch charakterliche Schattenseiten mit sich trägt. Es offenbart sich ein unterdrückerischer Ehemann, der die kreativen Energien seiner Frau unterbindet und totale Unterwerfung fordert. Hinzu kommen Schicksalsschläge wie der Tod seiner geliebten Tochter Putzi an Scharlach und Diphtherie. Wäre diese Ehe ein Musikstück, dann wohl bestimmt in Mol-Tonart.

Untermalt von Mahlers eigenen Werken und aufgelockert durch spannende Schnitte und unkonventionelle Interviewsequenzen mit Nebencharakteren, die den Zuseher einbinden und zu Mitwissern einer Ehekrise machen, liefern Percy & Felix Adlon ein Portrait mit einer Prise Ironie und ein wenig Augenzwinkern von zwei der größten Genies ihrer Epoche. Sehenswert!

Diese Filmkritik entstand für das “Signis-Interfilm”- Team Graz und ist ebenfalls hier erschienen.


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