Film-Review: “The American”

18Sep10

Thriller, USA 2010

Ein Gebot des Filmkritikers: Nimm das Ende eines Films niemals komplett vorweg. „The American“ (Regie: Anton Corbijn) stellt dies auf eine harte Probe, denn: Thriller-Handlung gibt’s nur in den letzten 15 Minuten, und sogar diese ist noch eher schwach. Davor gibt’s ein paar Waffen, einen gehetzten Auftragskiller im Spätherbst seiner Karriere und Italien in Postkartenoptik.

Erste Szene: Auftragskiller Edward (oder auch Jack, je nach Gesprächspartner. Wir nennen ihn der Einfachheit halber: George Clooney) spaziert in Schweden in weiblicher Begleitung über einen zugefrorenen See. Als auf die beiden geschossen wird, kontert Clooney in Bond-Manier und tötet den Angreifer. Die verstörte weibliche Bekannte darf beim Anblick des Toten ihren Leinwand-Einsatz auch für beendet erklären und wird ebenfalls erschossen. Dann: Der Vorspann. Danach wartet nicht mehr viel auf die Besucher dieses Films. Langwierig wird im italienischen Castelveccio ein Spannungsbogen aufgebaut, der danach sang- und klanglos in sich zerfällt. Eine Waffe soll er bauen, so lautet Clooneys Auftrag. Dass diese dann später auf ihn gerichtet werden soll, vermutet man früh. Die detailreiche Schilderung dieses Arbeitsprozesses und seines Aufenthalts in Castelveccio lässt den Zuseher schnell am Blickwinkel Clooneys teilhaben. Paranoide Gedanken werden geteilt, denn eigentlich ist jeder Einwohner dieser kleinen Stadt nicht ganz koscher. Hinter jeder Ecke der verwinkelten Gassen kann schon das Ende warten. Doch trotz all diesen Unsicherheiten verschenkt Clooney (mit Schmetterlingstatoo am oft zur Schau gestellten Rücken) sein Herz an eine Hure (bildhübsch: Violante Placido). Genauso banal und klischeebehaftet wie die Formulierung des letzten Satzes präsentieren sich die weiteren Minuten dieses Films. Denn die Lehre, dass Liebe zum Beruf des Profikillers nicht kompatibel ist, haben wir schon viel zu oft gezogen. Das Finish holt noch mal alle Thriller-Klischees aus der Westentasche und presst den Film schlussendlich doch in die Action-Schublade, in welcher dieser Streifen bei bestem Willen nicht hingehört.

Was bleibt ist eine wirklich gelungene Kameraführung, eine passende Filmmusik (komponiert von Herbert Grönemeyer), jede Menge nackter Oberkörper vom erfrischend untypischen George Clooney und die Frage, die einen beim Abspann beschäftigt: Das wars jetzt schon?

Diese Filmkritik entstand für das “Signis-Interfilm”- Team Graz.


2 Antworten auf „Film-Review: “The American”“


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