Film-Review: “Goethe!”

31Okt10

Goethe!“ – Ein Ausruf wie aus dem Deutsch-Lehrbuch. Diesmal kommt der Literat aber deutlich leichtfüßiger daher als in grauen Schulerinnerungen – nicht mehr Dichter, eher so Popstar. Quasi der Robbie Williams des 18. Jahrhunderts. Ein junger Mann, der auf seiner Kutsche sitzend Bücher signiert und von den Menschen gefeiert wird. Ein junger Mann, dem trotzdem ein kleines Stück zum wahren Glück fehlt. Ein junger Mann, der von Regisseur Philipp Stölzl gelungen in 100 abwechslungsreichen Minuten portraitiert wird.

Das 18. Jahrhundert hat viel zu bieten: Prunkvolle Gewänder, große Feste und unzählige weiße Perücken. Und mittendrin: Ein großer Literat. Johann Goethe, der sein Jurastudium vernachlässigt und von seinem Vater ob seiner Gedichte („sinnloses Geschreibsel“) getadelt und in das verschlafene Wetzlar geschickt wird, um dort am Reichskammergericht zu arbeiten. Manieren und Tugenden sollen dem „bunten Vogel“ dort anerzogen werden.
In dem kleinen Städtchen wartet aber nicht nur jede Menge Arbeit auf Johann, sondern auch die Liebe. Sie kommt in Gestalt von Charlotte Buff daher. Die junge Schönheit sprüht vor Lebensfreude und bringt Farbe in Geothes grauen Alltag. Beide sind verliebt; das Glück scheint perfekt – doch die Beiden ahnen nicht, dass Charlotte schon längst Goethes Vorgesetztem Kestner versprochen ist. Ein Unglück, das zu Goethes großem Durchbruch führen wird.

Das Drehbuch nimmt sich wahre Gegebenheiten als Basis, erweitert die Fakten jedoch durch die Reflexion von Goethes eigenem Leben in „Die Leiden des jungen Werther“. So wird die Wahrheit natürlich etwas überzeichnet und die Emotionen in Bilder gepackt. Den Deutschprofessor wird es nicht sehr freuen, den Filmbesucher dafür umso mehr. So wird auch die Aussage Charlotte Buffs im Film programmatisch: „Es ist mehr als Wahrheit. Es ist Dichtung.“

Es gibt Menschen, von denen würde man sich gerne Gedichte vorlesen lassen. Miriam Stein als Charlotte Buff und Alexander Fehling als Johann Goethe sind zwei Personen ebendieser Sorte. Beide machen den Film zu ihrem eigenen kleinen Märchen – manchmal lieblich leicht und manchmal tragend schwer. So jung, sexy und aufregend waren Goethe und Charlotte noch nie. Ebenfalls gewohnt solide: Moritz Bleibtreu als Albert Kestner.

Fazit: Ein Film der auf eine tolle Besetzung und eine gelungene Mischung aus „Sturm und Drang“ und „Sturm und Trank“ setzt. Sehenswert!



Eine Antwort auf „Film-Review: “Goethe!”“

  1. Man hätte mit diesem Streifen Goethe ein filmisches Denkmal setzen können. Leider ist der Film dann doch bisschen zu sehr auf unterhaltung “getrimmt”. Gut gemacht ist er sicherlich, aber mir ist es dann doch etwas zu sehr “Dichtung” ;-)


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